Matej Korbelič Quintet bei Live-Aufnahmen im Hot Milk Studio Berlin.
Fallstudie

Matej Korbelič Quintet

Modernen europäischen Jazz einfangen

Moderner Jazz lebt von Interaktion. Als der Trompeter und Komponist Matej Korbelič sein Quintett ins Hot Milk Studio brachte, ging es nicht darum, einfach eine Sammlung von Kompositionen zu dokumentieren, sondern die feine Kommunikation zwischen fünf Musikern einzufangen, die in Echtzeit gemeinsam spielen.

Matej Korbelič — Trompete, Flügelhorn — Matej Korbelič Quintet at Hot Milk Studio

Matej Korbelič

Trompete, Flügelhorn

Elias Störr — Flügel — Matej Korbelič Quintet at Hot Milk Studio

Elias Störr

Flügel

Tom Götze — Kontrabass — Matej Korbelič Quintet at Hot Milk Studio

Tom Götze

Kontrabass

Heinrich Eißmann — Schlagzeug — Matej Korbelič Quintet at Hot Milk Studio

Heinrich Eißmann

Schlagzeug

Die Session

Über vier Tage hinweg nahm das Ensemble in unserem Berliner Jazz-Tonstudio sieben Stücke auf: sechs Originalkompositionen von Matej und eine wunderbar zurückgenommene Interpretation von John Coltranes „Naima“. Verwurzelt in europäischem Jazz, zeitgenössischer Improvisation und Fusion, verbindet Matejs Schreibweise anspruchsvolle rhythmische Ideen mit lyrischen Melodien und offenen Improvisationsräumen — und verlangt von jedem Musiker gleichermaßen Präzision und Spontaneität.

Aufgenommenes Repertoire

For Jim (From Jim To Home) · Alina · Days or Nights · Sweet April · Kurt's Blues (Distance And Proximity) · Sudden Freedom · Naima. Mit Ausnahme von Naima wurden alle Kompositionen von Matej Korbelič geschrieben.

Den Aufnahmeraum gestalten

Jede Aufnahmesession beginnt mit einer einfachen Frage: Welches Setup dient der Musik am besten? Für dieses Projekt wählten wir eine andere Raumaufteilung als bei Live-Jazzaufnahmen üblich. Statt die Trompete im Hauptraum zu platzieren, teilten sich beide Bläser unseren Isolationsraum. Matejs Trompete beziehungsweise Flügelhorn gemeinsam mit Anton Shatylos Tenorsaxofon aufzunehmen ergab einen kompakteren, intimeren Bläserklang — bei vollem Sichtkontakt zur Rhythmusgruppe. Die leichte akustische Kopplung zwischen Trompete und Tenorsax erzeugte einen geschlossenen Bläsersound, der bei vollständiger Trennung schwer zu erreichen gewesen wäre. Elias Störr spielte unseren Yamaha G5 Flügel im Hauptraum, Tom Götze stand neben dem Flügel hinter einer Reihe von Gobos. So entstanden ausgezeichnete Sichtachsen zwischen Tom und Schlagzeuger Heinrich Eißmann, während das Übersprechen zwischen Flügel und Kontrabass auf ein Minimum reduziert blieb. Heinrich spielte im Drumroom — ein Setup, das jedem Musiker direkten Blickkontakt erlaubte und gleichzeitig genug Trennung bot, um beim Mischen völlig flexibel zu bleiben.

Matej Korbelič und Anton Shatylo bei der Aufnahme gemeinsam im Isolationsraum des Hot Milk Studio Berlin.
Matej Korbelič — Flügelhorn · Anton Shatylo — Tenorsaxofon
Matej Korbelič spielt Flügelhorn während der Quintett-Session im Hot Milk Studio Berlin.
Matej Korbelič — Flügelhorn

Den richtigen Klang finden

Die Mikrofonwahl folgte dem Charakter jedes Instruments statt einer festen Schablone. Für Matejs Trompete mischten wir die fokussierte Wärme eines Royer R-121 Bändchens mit der Definition und Detailtreue eines Neumann TLM 67. Beim Flügelhorn kombinierten wir das TLM 67 je nach Charakter der Komposition mit einem RCA 44 oder einem Vintage-Melodium-Bändchen — für einen dunkleren, runderen Klang, der dem Instrument perfekt entsprach. Anton Shatylos Tenorsaxofon nahmen wir mit einem Groove Tubes Velo-8 Bändchen und einem weiteren Neumann TLM 67 ab: Wärme, Klarheit und exzellentes Transientenverhalten, ohne die natürliche Dynamik des Instruments anzutasten. Der Yamaha G5 Flügel wurde mit einem Paar Gefell-Kleinmembran-Kondensatoren über den Hämmern aufgenommen, ergänzt durch ein Paar Bändchenmikrofone als Tail Pair für Tiefe und Resonanz des Instruments. Tom Götzes Kontrabass nahmen wir mit einem Neumann TLM 67 am Korpus und einem Shure SM57 in Richtung Griffbrett auf, um Artikulation und Fingeranschlag einzufangen. Die Kombination lieferte einen vollen, natürlichen Bassklang, der auch in den rhythmisch anspruchsvollsten Passagen definiert blieb. Heinrichs Schlagzeug wurde mit einem gestellten Paar Beyerdynamic MC930-Kleinmembran-Kondensatoren als Overheads abgenommen, Sennheiser MD421 an den Toms, einem Audix i5 an der Snare, einem Beyerdynamic M260 an der Hi-Hat, einem Lauten Audio Clarion FET am Resonanzfell der Bassdrum und einem Lauten Audio Horizon auf der Beater-Seite. Die Raumatmosphäre des Drumrooms ergänzte ein Blumlein-Paar Superlux-Bändchenmikrofone und sorgte für ein natürliches Stereobild, das das gesamte Kit zusammenband.

Vogelperspektive auf das im Hauptraum des Hot Milk Studio Berlin aufgebaute Matej Korbelič Quintet.

Vier Tage Live-Performance

Anders als bei einer eintägigen Jazz-Session, in der Effizienz alles ist, gab der Vier-Tage-Plan der Band Raum, verschiedene Ansätze auszuprobieren, Arrangements zu verfeinern und Stücke ohne Zeitdruck erneut anzugehen. Diese zusätzliche Zeit erlaubte den Musikern, sich ganz auf das Spielen zu konzentrieren, während wir jede Nuance mit möglichst wenig technischer Unterbrechung einfingen. Die Aufnahmen entstanden in unserem hybriden Recording-Workflow: sorgfältig ausgewählte Mikrofone, hochwertige analoge Signalwege und moderne digitale Bearbeitung — für die Unmittelbarkeit der Performances und volle Flexibilität in der Postproduktion.

Das Ergebnis

Das Ergebnis ist eine Aufnahme, die Matejs kompositorische Stimme widerspiegelt: rhythmisch wagemutig, harmonisch reich und voller spontaner musikalischer Dialoge. Statt das Menschliche wegzupolieren, bewahrt die Produktion genau jene feinen Interaktionen, die nur entstehen, wenn außergewöhnliche Musiker dieselbe Performance teilen. Das ist genau die Art von Projekt, die wir im Hot Milk Studio lieben: Künstlern dabei helfen, herausragende Performances in zeitlose Aufnahmen zu verwandeln. Ob geradliniges Jazzquartett oder zeitgenössischer europäischer Jazz mit komplexem rhythmischem Zusammenspiel — unser Ziel bleibt dasselbe: eine Umgebung zu schaffen, in der Musiker natürlich spielen können, während jede Nuance mit Klarheit, Tiefe und Musikalität festgehalten wird.

Musiker

  • Matej Korbelič

    Trompete, Flügelhorn, Kompositionen

  • Anton Shatylo

    Tenorsaxofon

  • Elias Störr

    Yamaha G5 Flügel, Fender Rhodes

  • Tom Götze

    Kontrabass

  • Heinrich Eißmann

    Schlagzeug

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