

Die Band: Berliner Manouche mit eigener Handschrift
Das Berlin Django Project vereint einige der profiliertesten Sinti-Jazz-Musiker Berlins. Die Band verbindet Originalkompositionen ihrer Mitglieder mit traditionellem und modernem Sinti-Swing, Jazz und Chanson — in der Tradition des Manouche-Gitarristen Django Reinhardt, aber mit dem rauen, offenen Charakter der Stadt, in der sie lebt.
Zur Besetzung gehören der australische Jazzgeiger Daniel Weltlinger, Mitya Gerasimov an der Klarinette, die Gitarristen Giovanni Steinbach und Santino Bamberger sowie Matthieu Baud am Kontrabass. Musiker aus verschiedenen Ländern und Traditionen machen die Band zu einem kleinen Abbild Berlins.


Ein Wohnzimmerkonzert im Hauptraum
Die Band stellte sich im Hauptraum genau so auf wie auf der Bühne. Vorne links stand Daniel Weltlinger mit der Violine, daneben Mitya Gerasimov mit der Klarinette. Dahinter saßen sich die Cousins Giovanni Steinbach und Santino Bamberger mit ihren Gitarren gegenüber, hinten rechts stand Matthieu Baud am Kontrabass.
Rund um die Band standen große Sofas und Sessel: Das Studio war als Wohnzimmer eingerichtet. Gespielt wurde ohne Kopfhörer und ohne Verstärkung — die Musiker hörten sich gegenseitig direkt im Raum, wie bei einem Hauskonzert. Die nicht-parallelen Wände des Hauptraums verhindern Flatterechos und geben dem Ensemble einen natürlichen, offenen Raumklang.
Warum keine Trennung? Sinti-Jazz lebt vom Zusammenspiel zwischen Rhythmusgitarren und Solisten. Dieses Gefühl entsteht zwischen den Musikern — und lässt sich nicht später aus Einzelspuren zusammensetzen.

Acht Mikrofone für fünf Musiker
Das Herz der Aufnahme ist ein A-B-Stereopaar (Spaced Pair) aus zwei Neumann KM 183 mit Kugelcharakteristik, das die ganze Band im Raum einfängt. Sechs Stützmikrofone geben im Mix Kontrolle über Balance und Präsenz.
| Quelle | Mikrofon | Charakteristik | Preamp | Warum |
|---|---|---|---|---|
| Raum | 2× Neumann KM 183 als A-B-Paar | Kugel | Warm Audio WA273 | Trägt den Gesamtklang und den größten Teil der Raumatmosphäre |
| Violine | Gefell M70-Kapsel auf Gefell-Verstärker | Niere | Warm Audio WA273, leichte EQ | Nah und direkt, für Präsenz im Solo |
| Klarinette | Gefell M70-Kapsel auf Gefell-Verstärker | Niere | Warm Audio WA273, leichte EQ | Wie die Violine: die zweite Lead-Stimme |
| Kontrabass, Korpus | Lauten Audio Clarion (FET) | Niere | Warm Audio WA273 | Auf den oberen Korpus gerichtet, für Ton und Volumen |
| Kontrabass, Griffbrett | Shure SM57 | Niere | Warm Audio WA273 | Liefert den Anschlag und die Definition der Linien |
| Gitarre (Giovanni) | Golden Age Project R1 MK2 (Bändchen) | Acht | Warm Audio WA412 | Die seitliche Auslöschung der Acht blendet Violine und Klarinette aus |
| Gitarre (Santino) | Golden Age Project R1 MK2 (Bändchen) | Acht | Warm Audio WA412 | Wie oben; die WA412 machen die Gitarren knackig |
Die Manouche-Gitarren tragen in dieser Musik Harmonik und rhythmischen Drive zugleich. Deshalb liefen sie über die Warm Audio WA412: Die Preamps geben ihnen den Punch, den ihre Rolle als Rhythmusgruppe braucht. Die Bändchenmikrofone wurden so ausgerichtet, dass ihre Nullstellen auf die Lead-Instrumente zeigen — so bleiben die Gitarrenspuren trotz gemeinsamen Raums sauber.
Zwei Tage, 20 Stücke, 13 Takes
Kein Stück wurde mehr als dreimal gespielt. Wir wollten an keinem Song hängen bleiben und die Stimmung verlieren, also ging es nach höchstens drei Takes zum nächsten Stück. So entstanden an zwei Tagen Aufnahmen von rund 20 Stücken.
Aus diesem Material haben wir die 13 stärksten Takes ausgewählt. Editiert wurde nur gezielt: einige Intros und Schlüsse sowie ein oder zwei komplette Themen (Heads), die wir zwischen Takes getauscht haben. Da ohne Click gespielt wurde, liegen alle Schnitte an musikalischen Übergängen — dort, wo die Band ohnehin neu ansetzt.
Mix und Mastering im Haus: Raum statt Hall
Den größten Teil der Atmosphäre liefert im Mix das A-B-Paar — der echte Klang des Hauptraums. Künstlicher Hall kam nur sparsam als Verfeinerung dazu. So klingt die Aufnahme lebendig und authentisch, nah an dem, was die Band im Raum gespielt hat.
Die beiden Gitarren liefen im Mix durch Summit Audio TLA-50 Röhrenkompressoren, für harmonische Fülle und Kontrolle. Gemischt wurde wie fast alle unsere Produktionen in Cubase. Die Summe lief über einen Tegeler Audio EQP-1 und einen Tegeler Audio VTC.
Auch das Mastering entstand im Haus. Als letzten Limiter haben wir den Ozone Maximizer im Modus IRC IV Modern eingesetzt, einen unserer Favoriten im Hot Milk Studio. Unser Ziel lag zwischen −14 und −12 LUFS: bewusst eher auf der lauten Seite für Jazz, ohne den Drive der Band zu opfern.
Die Mischungen wurden fast ein Jahr nach den Aufnahmen fertiggestellt, weil Daniel Weltlinger in der Zwischenzeit mit verschiedenen Acts auf Tour war.
Vinyl-EPs in Planung
Die Aufnahmen erscheinen als Serie von EPs; zwei EPs mit je vier Stücken sind derzeit geplant, dazu sind Vinyl-Ausgaben in Planung. Die erste EP enthält Dream Of You, In dieser Stadt, Kalo Tango und Swing for Voti.
Für den Vinyl-Schnitt bereiten wir ein eigenes Premaster vor:
- Kein Maximizer und kein Limiter auf der Summe.
- Sibilanten kontrollieren wir mit dem HiFal2-Plugin von Schwab Digital.
- Die Bassfrequenzen unter 120 Hz sind weitgehend mono.
So kann der Schneidetechniker einen lauten Vollbereichs-Schnitt fertigen, ohne dass die Nadel an Grenzen stößt.

Die Session auf Video
Johannes Schäfer hat die Live-Sessions mit zwei Kameras gefilmt und die Videos geschnitten. Der Ton der Videos stammt aus Robert Cummings’ erstem Mix für die Band vom Januar 2026.
Stimme der Band

“Fantastic studio in Berlin with a warm atmosphere and top gear. Rob is really great to work with and a truly great studio engineer. Highly recommended!”Titelliste
Erste EP: Dream Of You · In dieser Stadt (Charly Njiessen) · Kalo Tango (Daniel Weltlinger) · Swing for Voti (Gallo Weiss)
Alle 13 Aufnahmen: Body and Soul · Dream Of You · Exactly Like You · Gloomy Road · I Know About You · In dieser Stadt · Isaiah Swing · Kalo Tango · Lolita · Paquito · Song for Hänschen · Swing for Voti · Troublant Boléro

Das Ergebnis
13 Tracks, die wie ein Konzert im Wohnzimmer klingen: fünf Musiker, die einander direkt hören, festgehalten mit acht Mikrofonen und einem Raum, der mitspielt. Aufnahme, Edit, Mix und Mastering kamen aus einer Hand — und das Material ist für Vinyl vorbereitet.


