Berlin Django Project spielt live im Hauptraum des Hot Milk Studio Berlin, im Vordergrund das A-B-Stereopaar aus zwei Neumann KM 183.
Fallstudie

Berlin Django Project

Sinti-Jazz wie im Wohnzimmer: Berlin Django Project live im Hot Milk Studio

Am 3. und 4. November 2025 hat das Berlin Django Project an zwei Tagen rund 20 Stücke live im Hot Milk Studio Berlin eingespielt — fünf Musiker in einem Raum, ohne Kopfhörer, ohne Verstärkung und ohne Click. Acht Mikrofone hielten fest, was die Band im Konzert ausmacht: Violine und Klarinette als Stimmen, zwei Manouche-Gitarren als Motor, der Kontrabass als Fundament. Aus den Sessions entstanden 13 fertige Tracks, die wir im Haus editiert, gemischt und gemastert haben. Vinyl-EPs sind in Planung.

Fotos: Robert Cummings

Berlin Django Project beim Live-Tracking im Hauptraum des Hot Milk Studio Berlin, umgeben von Sofas und Sesseln.
Berlin Django Project — Live-Tracking im Hauptraum
Musiker des Berlin Django Project im Gespräch im Hauptraum des Hot Milk Studio Berlin.
Kurze Absprache

Die Band: Berliner Manouche mit eigener Handschrift

Das Berlin Django Project vereint einige der profiliertesten Sinti-Jazz-Musiker Berlins. Die Band verbindet Originalkompositionen ihrer Mitglieder mit traditionellem und modernem Sinti-Swing, Jazz und Chanson — in der Tradition des Manouche-Gitarristen Django Reinhardt, aber mit dem rauen, offenen Charakter der Stadt, in der sie lebt.

Zur Besetzung gehören der australische Jazzgeiger Daniel Weltlinger, Mitya Gerasimov an der Klarinette, die Gitarristen Giovanni Steinbach und Santino Bamberger sowie Matthieu Baud am Kontrabass. Musiker aus verschiedenen Ländern und Traditionen machen die Band zu einem kleinen Abbild Berlins.

Berlin Django Project bespricht zwischen zwei Takes ein Stück im Hauptraum des Hot Milk Studio Berlin.
Zwischen den Takes im Hauptraum
Berlin Django Project spielt live im Hauptraum des Hot Milk Studio Berlin, darüber das A-B-Stereopaar.
Das A-B-Paar über der Band

Ein Wohnzimmerkonzert im Hauptraum

Die Band stellte sich im Hauptraum genau so auf wie auf der Bühne. Vorne links stand Daniel Weltlinger mit der Violine, daneben Mitya Gerasimov mit der Klarinette. Dahinter saßen sich die Cousins Giovanni Steinbach und Santino Bamberger mit ihren Gitarren gegenüber, hinten rechts stand Matthieu Baud am Kontrabass.

Rund um die Band standen große Sofas und Sessel: Das Studio war als Wohnzimmer eingerichtet. Gespielt wurde ohne Kopfhörer und ohne Verstärkung — die Musiker hörten sich gegenseitig direkt im Raum, wie bei einem Hauskonzert. Die nicht-parallelen Wände des Hauptraums verhindern Flatterechos und geben dem Ensemble einen natürlichen, offenen Raumklang.

Warum keine Trennung? Sinti-Jazz lebt vom Zusammenspiel zwischen Rhythmusgitarren und Solisten. Dieses Gefühl entsteht zwischen den Musikern — und lässt sich nicht später aus Einzelspuren zusammensetzen.

Blick aus dem Regieraum durch das Fenster in den Hauptraum, wo das Berlin Django Project im Hot Milk Studio Berlin aufnimmt.
Blick aus dem Regieraum

Acht Mikrofone für fünf Musiker

Das Herz der Aufnahme ist ein A-B-Stereopaar (Spaced Pair) aus zwei Neumann KM 183 mit Kugelcharakteristik, das die ganze Band im Raum einfängt. Sechs Stützmikrofone geben im Mix Kontrolle über Balance und Präsenz.

QuelleMikrofonCharakteristikPreampWarum
Raum2× Neumann KM 183 als A-B-PaarKugelWarm Audio WA273Trägt den Gesamtklang und den größten Teil der Raumatmosphäre
ViolineGefell M70-Kapsel auf Gefell-VerstärkerNiereWarm Audio WA273, leichte EQNah und direkt, für Präsenz im Solo
KlarinetteGefell M70-Kapsel auf Gefell-VerstärkerNiereWarm Audio WA273, leichte EQWie die Violine: die zweite Lead-Stimme
Kontrabass, KorpusLauten Audio Clarion (FET)NiereWarm Audio WA273Auf den oberen Korpus gerichtet, für Ton und Volumen
Kontrabass, GriffbrettShure SM57NiereWarm Audio WA273Liefert den Anschlag und die Definition der Linien
Gitarre (Giovanni)Golden Age Project R1 MK2 (Bändchen)AchtWarm Audio WA412Die seitliche Auslöschung der Acht blendet Violine und Klarinette aus
Gitarre (Santino)Golden Age Project R1 MK2 (Bändchen)AchtWarm Audio WA412Wie oben; die WA412 machen die Gitarren knackig

Die Manouche-Gitarren tragen in dieser Musik Harmonik und rhythmischen Drive zugleich. Deshalb liefen sie über die Warm Audio WA412: Die Preamps geben ihnen den Punch, den ihre Rolle als Rhythmusgruppe braucht. Die Bändchenmikrofone wurden so ausgerichtet, dass ihre Nullstellen auf die Lead-Instrumente zeigen — so bleiben die Gitarrenspuren trotz gemeinsamen Raums sauber.

Zwei Tage, 20 Stücke, 13 Takes

Kein Stück wurde mehr als dreimal gespielt. Wir wollten an keinem Song hängen bleiben und die Stimmung verlieren, also ging es nach höchstens drei Takes zum nächsten Stück. So entstanden an zwei Tagen Aufnahmen von rund 20 Stücken.

Aus diesem Material haben wir die 13 stärksten Takes ausgewählt. Editiert wurde nur gezielt: einige Intros und Schlüsse sowie ein oder zwei komplette Themen (Heads), die wir zwischen Takes getauscht haben. Da ohne Click gespielt wurde, liegen alle Schnitte an musikalischen Übergängen — dort, wo die Band ohnehin neu ansetzt.

Mix und Mastering im Haus: Raum statt Hall

Den größten Teil der Atmosphäre liefert im Mix das A-B-Paar — der echte Klang des Hauptraums. Künstlicher Hall kam nur sparsam als Verfeinerung dazu. So klingt die Aufnahme lebendig und authentisch, nah an dem, was die Band im Raum gespielt hat.

Die beiden Gitarren liefen im Mix durch Summit Audio TLA-50 Röhrenkompressoren, für harmonische Fülle und Kontrolle. Gemischt wurde wie fast alle unsere Produktionen in Cubase. Die Summe lief über einen Tegeler Audio EQP-1 und einen Tegeler Audio VTC.

Auch das Mastering entstand im Haus. Als letzten Limiter haben wir den Ozone Maximizer im Modus IRC IV Modern eingesetzt, einen unserer Favoriten im Hot Milk Studio. Unser Ziel lag zwischen −14 und −12 LUFS: bewusst eher auf der lauten Seite für Jazz, ohne den Drive der Band zu opfern.

Die Mischungen wurden fast ein Jahr nach den Aufnahmen fertiggestellt, weil Daniel Weltlinger in der Zwischenzeit mit verschiedenen Acts auf Tour war.

Vinyl-EPs in Planung

Die Aufnahmen erscheinen als Serie von EPs; zwei EPs mit je vier Stücken sind derzeit geplant, dazu sind Vinyl-Ausgaben in Planung. Die erste EP enthält Dream Of You, In dieser Stadt, Kalo Tango und Swing for Voti.

Für den Vinyl-Schnitt bereiten wir ein eigenes Premaster vor:

  • Kein Maximizer und kein Limiter auf der Summe.
  • Sibilanten kontrollieren wir mit dem HiFal2-Plugin von Schwab Digital.
  • Die Bassfrequenzen unter 120 Hz sind weitgehend mono.

So kann der Schneidetechniker einen lauten Vollbereichs-Schnitt fertigen, ohne dass die Nadel an Grenzen stößt.

Kamera- und Licht-Setup von Johannes Schäfer für die Session des Berlin Django Project im Hot Milk Studio Berlin.
Kamera-Setup von Johannes Schäfer

Die Session auf Video

Johannes Schäfer hat die Live-Sessions mit zwei Kameras gefilmt und die Videos geschnitten. Der Ton der Videos stammt aus Robert Cummings’ erstem Mix für die Band vom Januar 2026.

Session-Video-Clips

  • In dieser Stadt — Berlin Django Project

  • Kalo Tango — Berlin Django Project

  • Swing for Voti — Berlin Django Project

Stimme der Band

Daniel Weltlinger
“Fantastic studio in Berlin with a warm atmosphere and top gear. Rob is really great to work with and a truly great studio engineer. Highly recommended!”
Daniel Weltlinger — Violine, Google-Bewertung

Titelliste

Erste EP: Dream Of You · In dieser Stadt (Charly Njiessen) · Kalo Tango (Daniel Weltlinger) · Swing for Voti (Gallo Weiss)

Alle 13 Aufnahmen: Body and Soul · Dream Of You · Exactly Like You · Gloomy Road · I Know About You · In dieser Stadt · Isaiah Swing · Kalo Tango · Lolita · Paquito · Song for Hänschen · Swing for Voti · Troublant Boléro

Bandfoto des Berlin Django Project mit ihren Instrumenten im Hot Milk Studio Berlin.
Berlin Django Project im Hot Milk Studio

Das Ergebnis

13 Tracks, die wie ein Konzert im Wohnzimmer klingen: fünf Musiker, die einander direkt hören, festgehalten mit acht Mikrofonen und einem Raum, der mitspielt. Aufnahme, Edit, Mix und Mastering kamen aus einer Hand — und das Material ist für Vinyl vorbereitet.

Häufige Fragen

Wie nimmt man Gypsy Swing live im Studio auf?

Wir stellen die Band so auf wie im Konzert: in einem Raum, ohne Kopfhörer, mit Blickkontakt. Ein A-B-Stereopaar fängt den Gesamtklang ein, Stützmikrofone auf Violine, Klarinette, Gitarren und Kontrabass geben im Mix Kontrolle.

Warum Bändchenmikrofone für die Manouche-Gitarren?

Die Acht-Charakteristik löscht seitlich einfallenden Schall aus. Richtig ausgerichtet blendet sie Violine und Klarinette weitgehend aus, sodass die Gitarrenspuren trotz gemeinsamen Raums sauber bleiben.

Gypsy Swing, Sinti-Jazz oder Manouche — was ist der Unterschied?

Alle drei Begriffe beschreiben den Stil, der auf Django Reinhardt zurückgeht; „Manouche“ ist die französische Bezeichnung der Sinti. Viele Musiker bevorzugen heute Sinti-Jazz oder Jazz Manouche.

Wie laut wurde dieses Album gemastert?

Zwischen −14 und −12 LUFS — bewusst eher laut für Jazz, damit der Drive der Rhythmusgitarren erhalten bleibt.

Was ändert sich beim Vinyl-Master?

Kein Limiter auf der Summe, Sibilanten-Kontrolle mit HiFal2 und weitgehend monofoner Bass unter 120 Hz. So lässt sich ein lauter Vollbereichs-Schnitt fertigen.

Musiker & Credits

  • Daniel Weltlinger

    Violine

  • Mitya Gerasimov

    Klarinette

  • Giovanni Steinbach

    Gitarre

  • Santino Bamberger

    Gitarre

  • Matthieu Baud

    Kontrabass

  • Robert Cummings

    Aufnahme, Mix, Mastering, Fotos

  • Johannes Schäfer

    Kamera, Videoschnitt

Mehr über Daniel Weltlinger

Hier entstand diese Aufnahme

Blick ins Studio: vier verbundene Räume in Berlin-Pankow

Sieh dir die Akustik, die Sichtlinien und die Instrumente an, die diese Session geprägt haben.

Studio ansehen →

Passende Leistungen und Arbeiten

Entdecke die Aufnahme-Disziplinen hinter dieser Session im Hot Milk Studio Berlin.

Alle Fallstudien ansehen

Du willst deine Band so aufnehmen, wie sie live klingt? Lass uns eine Session planen.

Session buchen